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Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 07:03
von Zetti28
Liegt hier ein Missverständnis vor, oder glaubt wirklich jemand, dass das Bremspedal samt Kolben durch eine taumelende Bremsscheibe oder durch verformte Dichtgummis zurückgeschoben wird?

Mag ja sein, dass beides einen Einfluss haben könnte, aber das Grundprinzip der Rückstellung via Hydraulik und Mechanik ist das von eisi gepostete.
Die Federn werden auch Druckfeder oder Rückstellfeder benannt, nicht ohne Grund.


Wer mit bewegten Bildern mehr anfangen kann:
E36 Schwimmsattel Gummimanschette samt Kolben:
https://www.youtube.com/shorts/6edNA5L3rGE

60 Jahre altes Video vom Miltiär zum Verständnis von Bremsen und Hydraulik:
https://www.youtube.com/watch?v=LsPJngbDE4E

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 09:18
von OldsCool
Vielen Dank für das interessante Erklärvideo zur Bremshydraulik. Ab ca. 14:25 widerspricht das Video aber ganz klar eurer beider These, dass die Rückstellung hydraulisch erfolgt. Im Gegenteil, das Rückflussventil verhindert, dass sich der Druck in den Leitungen vollständig abbaut. Von zurückziehen kann keine Rede sein. Die Rückstellung erfolgt also meiner Ansicht nach tatsächlich über eine minimal taumelnde Scheibe, unterstützt durch die elastische Kolbendichtung, sowie auch der Metallfeder außen am Sattel, die den Sattel zum einen außen in Position hält, und auch eine minimale Rückstellkraft beiträgt.

Gruß Steffen

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 09:56
von Inversator
Ihr dürft den Taumelschlag und das Rückstellmoment der Dichtung (nicht die aussen sichtbare dünne Staubdichtung) nicht in einen Topf werfen.
Die Dichtung zieht den Kolben tatsächlich zurück, wenn sie nicht steinalt und verhärtet, oder falsch geschmiert und Butterweich ist. Der Taumelschlag drückt die Beläge zurück.
Ich glaube nicht, dass der Kolben aktiv hydraulisch zurückgezogen wird, wenn man das Bremspedal löst.
Gruss
Holger

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 10:15
von roadzzzter
Ich find das Thema ja mega interessant.
Gleichzeitig erkenne ich dabei, wie wenig Wissen bei mir doch bei dem doch sehr wichtigen und oft genutzten Bauteil besteht.

In meinem absolut laienhaften Verständnis der Sache kann ich mir aber einen geplanten Schlag nicht als Rückstellkraft für die Bremskolben vorstellen.

Ich erinner mich ein Praktikum, als es um Pneumatik ging... (Pneumatik = Medium Luft nicht zu vertauschen mit Hydraulik = Medium Flüssigkeit)
Meiner Theorie nach wird beim Bremsen ein geschlossenes System mit Druck beaufschlagt, das bewegt den Bremskolben in Richtung Bremsscheibe und drückt den Bremsbelag auf diese. Flüssigkeit (ein Medium) fließt in den Zylinder und Drückt diesen nach außen. Wenn der Druck abnimmt fließt das Medium wieder zurück. Dabei zieht es dann aber auch den Bremskolben wieder mit zurück.

Interessantes Video, relevante Darstellung ab 2:00 bis 2:10

Wenn man das einfach mal probieren möchte, nehme man eine handelsübliche Spritze und ziehe sie ca 3cm aus - dann verschließt man mit einem Finger den Austritt und drückt die Spritze einmal zu (=Bremsvorgang) baut sich ein Druck auf - wenn man jetzt den Druck vermindert drückt der aufgebaute Druck den Spritzenkolben wieder zurück. Und so denke ich, funktioniert das auch in einem Bremssattel. Nur nicht durch Überdruck sondern Unterdruck durch das rückfließen der Flüssigkeit.

Oft sieht man Videos wie Bremsscheiben mit Schlag oder anrostungen einfach abgedreht werden. In dem Fall mit maximal wenig Toleranz. Da haut am Schluss auch keiner nochmal mit dem Hammer auf eine Seite drauf, damit sich der Bremskolben wieder rückstellt...

So meine ich funktioniert das ... Reine Flotheorie...

Man müsste mal jemand aus dem Fachbereich hier her lotsen um das mal richtig belegt zu bekommen.

Nachdenkliche Grüße aus der Oberpfalz :sunny:

Florian, der definitiv nicht sicher ist ob man das hier so erklären könnte.... :roll:

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 10:21
von Zetti28
OldsCool hat geschrieben:Vielen Dank für das interessante Erklärvideo zur Bremshydraulik. Ab ca. 14:25 widerspricht das Video aber ganz klar eurer beider These, dass die Rückstellung hydraulisch erfolgt. Im Gegenteil, das Rückflussventil verhindert, dass sich der Druck in den Leitungen vollständig abbaut. Von zurückziehen kann keine Rede sein. Die Rückstellung erfolgt also meiner Ansicht nach tatsächlich über eine minimal taumelnde Scheibe, unterstützt durch die elastische Kolbendichtung, sowie auch der Metallfeder außen am Sattel, die den Sattel zum einen außen in Position hält, und auch eine minimale Rückstellkraft beiträgt.

Gruß Steffen


Vielleicht war es von mir missverständlich, aber der Kolben (in dem Fall vom HBZ) kann nicht durch Taumeln oder Dichtung am Bremskolben zurückgeschoben werden. Das wird durch loslassen des Pedals = Reaktion Feder ... initiiert. Und somit wird die gesamte Rückstellung des Bremsbelags (Rückfließen der Bremsflüssigkeit) eingeleitet und beeinflusst durch Mechanik und Hydraulik Prinzip der Bremse. Da ist doch in dem Video an der Stelle auch ersichtlich?
Das Taumeln oder Dichtung einen Einfluss haben, kann gut sein. Aber die Darstellung hier bislang, dass der Belag duch einen der beiden Effekte zurückgestellt wird, halte ich für unvollständig, da dies primär in Abhängigkeit der Bremsflüssigkeit und somit des HBZ geregelt wird.

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 11:48
von RunnerAZ36
…..ganz zu schweigen von der eingefrästen Lüftspiel- und Knock-back-Phase in der Nut des Kolbendichtrings der Bremssattelfaust deren Auslegungen spezielles Augenmerk gilt, um u.a. ein knackiges Bremspedalfeeling mit möglichst wenig Leerweg zu generieren, aber genug Lüftspiel damit die Bremsbeläge ungebremst nicht an den Bremsscheiben schleifen :mrgreen: 8)
ATE weiß schon wie das geht :banana:

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor für verzogene Bremsscheiben, wenn die Auflagefläche zwischen Radlager und Bremsscheibe nicht 100% richtig gereinigt wurde und damit die Bremsscheibe nicht sauber Plan auf der Anlagefläche sitzt…

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 20:02
von michae31
OldsCool hat geschrieben:Vielen Dank für das interessante Erklärvideo zur Bremshydraulik. Ab ca. 14:25 widerspricht das Video aber ganz klar eurer beider These, dass die Rückstellung hydraulisch erfolgt. Im Gegenteil, das Rückflussventil verhindert, dass sich der Druck in den Leitungen vollständig abbaut. Von zurückziehen kann keine Rede sein. Die Rückstellung erfolgt also meiner Ansicht nach tatsächlich über eine minimal taumelnde Scheibe, unterstützt durch die elastische Kolbendichtung, sowie auch der Metallfeder außen am Sattel, die den Sattel zum einen außen in Position hält, und auch eine minimale Rückstellkraft beiträgt.

Gruß Steffen


Hallo Steffen,

kleine Info, das Bodenventil ist nur bei Trommelbremsen verbaut. Hier ist immer etwas Druck in den Bremsleitungen um das Ansprechen der Trommelbremsen zu verbessern. Die Bremsbeläge müssen durch den Bremsdruck gegen Federn an die Trommeln gedrückt werden. Diese Federn ziehen die Bremsbeläge wieder von den Trommeln zurück, wenn die Bremse gelöst wird..Das Video ist 60 Jahre alt.
Bei Scheibenbremsen sind die Bremsleitungen drucklos im Lösezustand, so dass der elastische Dichtring im Bremssattel den Bremskolben durch seine Verformungbeim Bremse lösen, den Bremskolben einen kleinen Weg vom Bremsbelag zurückzieht.
Dies soll eine bildhafte Beschreibung zum besseren Verständnis sein.

Gruß
Micha

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 20:15
von OldsCool
Stark, was wir hier zusammentragen. Vielen Dank Micha!

Strom kann ich, Hydraulik ist mehr Maschinenbau :mrgreen: Da kann ich nur mit allgemeiner Physik und p*V/T usw. mitstänkern :D

Gruß Steffen

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 28.08.2025 21:35
von Bräcky
Ich hab hier noch ein schönes Video gefunden, leider wird nicht weiter darauf eingegangen wie der Kolben zurückfährt. Bin aber auch davon überzeugt, dass das mit den Taumeln, wie so oft in den Werkstätten behauptet, nichts zu tun hat.

https://m.youtube.com/watch?v=g-yxRkjBmTQ

Btw... habe ich bei meinen Daily schonmal die Bremscheiben in einer Aufspannung überdreht, sodass ich einen Seitenschlag von max. 0,01 mm hatte. Die glasigen ATE Ceramic Beläge habe ich dann mit Schleifpapier wieder aufgefrischt. Die Bremse war eine lange Zeit wieder Top, für mehrere 1000 km, allerdings haben sich die Beläge mit der Zeit wieder verglast, sodass die Bremsscheiben wieder angelaufen sind.

Bis ich schlussendlich Brembo mit Standard Belägen montiert habe und seitdem habe ich Ruhe.

Re: Welche Bremsscheiben taugen noch was?

BeitragVerfasst: 29.08.2025 11:11
von roadzzzter
Ich hab heut Nacht nochmal etwas diesbezüglich gefunden. Der Moderator in mir sträubt sich gegen das aufkommende Off-Topic, aber zur Klärung des Problems und dem Verständniss des Ganzen trägt es ja bei... :idea:

Schaut euch mal die Thematik von ZF hier an. KLICK
Da stehts in der Tat auch so, dass die Dichtungen die Rückstellende Kraft sind. Da aber dies manchmal nicht auszureichen scheint, gibt es auch Sättel mit aktiver (Federbasierter) Rückstellung. Schaut euch mal die Punkte darunter an.
Das ist die gleiche Darstellung wie bei Domi-2.0:
Domi-2.0 hat geschrieben:Ich vertraue da auf die Aussage von ATE, ich behaupte einfach mal dass die wissen wie ihre Bremsen funktionieren!

PS
Mit ca. 4 Millimetern ist die Dichtung im Bremssattel alles andere als dünn.


Das bringt mich jetzt zu der Frage: Ab wann muss diese Dichtung dann getauscht werden? Also wann sollte man dann den Sattel revidieren?
Weil das kalkulierte Lebensende haben, alle die noch Originalsättel fahren, (und ich denke das sind die meisten! :arrow: Schwubbs! und schon ein Thema für die nächste Forenumfrage gefunden! :banana: ) schon mehrfach überschritten.

Spannend, wir bleiben also dran... :thumpsup:

GrüzZze aus der Oberpfalz :sunny:

Florian