Schon bald geht's für die Ersten schon wieder los, und irgendwie ist es jeden Frühling dasselbe. Alle graben ihre Schätzchen aus, und dann geht's los.... oder eben auch nicht.
"Spring nicht an......"
"Tackert komisch..."
"Musste Starthilfe geben..."
"Airbagfehler...."
Batterie platt! Fehlerbild Nummer EINS nach der Standperiode. Soweit so gut, aber dann passieren viele vermeidbare Fehler, die nicht nur die Batterie, sondern im schlimmsten Fall auch teure Steuergeräte kosten. Daher hier der ultimative Start-Guide zum Saisonauftakt:
Eine voll geladene Batterie hat >12,5V im Ruhezustand, bei 12V ist sie leer, unter 11V tiefentladen, einstellige Volt --> wahrscheinlich kaputt bzw. definitiv geschädigt.
Warum ist das wichtig?
Wird mit schwacher Batterie gestartet, selbst wenn der Startvorgang funktioniert, bricht die Spannung stark ein. Das führt zu jede Menge Unterspannungsfehlern in den Steuergeräten, unter anderem im Airbagsteuergerät, und dann bleibt die Lampe an. Ärgerlich und vermeidbar.
Aber noch wichtiger: Die Batterie ist nicht nur Energiespender für den Anlasser, sondern fungiert im Bordnetz auch als wichtiger Puffer gegen Spannungsspitzen, insbesondere bei laufendem Motor (daher darf ein Auto auch nie ohne Batterie betrieben werden, selbst wenn ja die Lichtmaschine Strom liefert). Eine geschwächte oder tote Batterie kann diese Funktion nicht mehr vernünftig erfüllen, im Gegenteil, sie wird selbst zu einem starken Verbraucher und fördert Spannungsspitzen sogar noch.
Deswegen:
1) Als ALLERERSTES, nachdem man das Schätzchen aufgedeckt/die Tore geöffnet hat, wird die Batteriespannung in Ruhe gemessen. VOR irgendeinem Startversuch oder Zündung ein! Dazu sollte jeder ein 10€ Multimeter vom Aldi, Lidl oder Louis etc. besitzen. Alternativ gibt es praktische Handylader für den Zigarettenanzünder mit integrierter Spannungsanzeige (Beispiel)
2) Spannung über 12,5V? --> Kann losgehen, deine Batterie ist fit!
3) Spannung zwischen 12 und 12,5V? --> Belastungstest! Zündung ein
Bleibt die Spannung über 12V, ist die Batterie noch fit genug und es kann losgehen. Ausgiebige Runde zum regenerieren fahren, oder an die nächste Steckdose und Ladegerät dran.
4) Spannung zwischen 11 und 12V? --> Die Batterie ist leer! NICHT starten! Erst laden. Ist vor Ort kein Strom vorhanden, so gibt es inzwischen auch "drahtlose Lader", quasi eine fette Powerbank fürs Auto. Wenn es nicht anders geht, Batterie ausbauen und zu Hause voll laden.
5) Spannung deutlich unter 11V? --> Auf keinen Fall einen Startversuch wagen. Laden probieren (siehe 4), ggfs. Batterie ersetzen. Das Schlimmste sind diese Versuche, bei denen es nur noch rhythmisch im Tacho klackert und flackert. Spannungszusammenbrüche und -spitzen vom Feinsten!
6) Spannung kaum messbar/0 --> die Batterie ist hin. Neue kaufen.
Noch etwas zur Starthilfe: Früher (also ganz früher) war das kein Thema. Wenig Steuergeräte, wenn überhaupt, einfache robuste Elektronik, Kabel irgendwo dran und gib ihm!
Ich rate dringend von Starthilfe ab. Aus meiner Sicht ist das ein Verfahren für den absoluten Notfall, wenn man in der Pampa mit leerer Batterie liegen geblieben ist und die schwangere Frau zur Entbindung muss
In der Regel geht es beim Saisonstart ja nicht um Leib und Leben.... also Starthilfe lieber weglassen. Verfahren wie oben, ggfs. Batterie laden. Warum? Wieder die Spannungsspitzen. Ihr habt sicher schon mal gesehen wie das funkt beim verbinden, je platter die Batterie, desto funk.... Funken --> Böse!
"Jaaaaaa.... aber die Kfz-Elektronik ist doch dafür ausgelegt!!! Schutzschaltungen usw.... steht alles in den Spezikationen!"
Richtig.... war sie mal.... als sie neu war. Inzwischen sind die Elektrolytkondensatoren 25-30 Jahre alt und haben längst nicht mehr ihre volle Kapazität und damit Schutzwirkung. Die Steuergeräte werden anfälliger. Airbagsteuergeräte sterben immer häufiger, Tachos und Bordcomputer melden EEP-Fehler (Speicherverlust) usw... --> vermeidbar!
Warum sollte ich die Batterie über den Winter NICHT abklemmen?
Für besagte Elektrolytkondensatoren ist es besser, wenn sie immer gleichmäßig geladen bleiben. Lange Zeiten ohne Strom können die Lebensdauer/Kapazität zusätzlich verkleinern. Ist das Bordnetz in Ordnung und keine Stromparasiten (typischerweise Zubehör) angeschlossen (Ruhestrom <40mA), dann hält eine fitte Batterie mehrere Monate Standzeit durch, insbesondere in der frostsicheren Garage.
Beim Öl gehen viele kein Risiko ein. Das Schätzchen bekommt jedes Jahr neues Öl, auch wenn das alte die Ölwanne kaum je verlassen hat. Bei super niedrigen Laufleistungen ziemlich sinnlos, aber man will ja was Gutes tun. Leider kümmert sich kaum jemand um die Elektrik. Da wird fröhlich ab- und wieder angeklemmt, Starthilfe genutzt, mit defekter Batterie gestartet, ist ja noch nie was passiert
Was sollte ich über den Winter tun?
Idealerweise die eingebaute und angeschlossene Batterie alle 4 Wochen mal über Nacht ans Ladegerät hängen. Ob an den Stützpunkten vorne oder an der Batterie direkt geladen wird, ist völlig egal, je nachdem wo man besser dran kommt. An der Batterie direkt zu laden wurde in der Vergangenheit immer nicht empfohlen. Wegen Wasserstoffbildung beim Laden und eventuellem Funken beim an-/abklemmen. Dank moderner elektronischer Ladegeräte muss die Batterie aber zum laden weder abgeklemmt werden, noch bildet sich nennenswert Wasserstoff, weil mit kleinen Strömen geladen wird (z.B. das weitverbreitete Ctek MXs 5.0 mit max. 5A). Da funkt auch nichts, da das Gerät erst nach einem Check mit der Ladung beginnt, und wenn man immer zuerst den Netzstecker zieht, passiert auch beim Abklemmen nichts. Dem Strom ist es völlig egal, ob er direkt an den Polen in die Batterie fließt, oder von vorne über die breite Stromautobahn der dicken Hauptkabel den Weg in die Batterie findet. Der Spannungsverlust ist durch die großen Kabelquerschnitte minimal.
Von Erhaltungsladegeräten halte ich persönlich nichts, aus zwei Gründen: Zum einen ist nicht erwiesen, dass sie die Batterie schonen. Im Gegenteil, es gibt genug Berichte, nach denen die Batterie trotz (oder wegen?) Erhaltungsladegeräten im Frühjahr platt waren. Zum anderen hängt da ein elektronisches Gerät dann ständig meistens unbeaufsichtigt an einer recht leistungsfähigen Chemiebombe (Batterie). Trotz Schutzschaltungen kann so ein Ding auch mal versagen und wer weiß was passieren. Über längere Zeit daher bei mir ein No-Go, auch in der entfernten Garage, besonders aber in der heimischen, wenn gleich das ganze Hab und Gut mit abbrennt
Wenn am Überwinterungsplatz absolut kein Strom vorhanden sein sollte, oder sehr tiefe Temperaturen (Frost) drohen, dann kann es tatsächlich sinnvoller sein, die Batterie über den Winter auszubauen, wenn man nicht jedes Frühjahr eine neue kaufen möchte. Oder man hat eine "Überwinterungsbatterie", die man dann zum Starten gegen eine frisch geladene tauscht. In allen anderen Fällen: Dran lassen, zwischenladen.
Allen im wortwörtlichen Sinn einen guten Start, wenn's soweit ist, und eine besonders schöne Saison!


