Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

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Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon OldsCool » Gestern 02:51

Hallo zusammen,

Schon bald geht's für die Ersten schon wieder los, und irgendwie ist es jeden Frühling dasselbe. Alle graben ihre Schätzchen aus, und dann geht's los.... oder eben auch nicht.

"Spring nicht an......"
"Tackert komisch..."
"Musste Starthilfe geben..."
"Airbagfehler...."

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Batterie platt! Fehlerbild Nummer EINS nach der Standperiode. Soweit so gut, aber dann passieren viele vermeidbare Fehler, die nicht nur die Batterie, sondern im schlimmsten Fall auch teure Steuergeräte kosten. Daher hier der ultimative Start-Guide zum Saisonauftakt:

Eine voll geladene Batterie hat >12,5V im Ruhezustand, bei 12V ist sie leer, unter 11V tiefentladen, einstellige Volt --> wahrscheinlich kaputt bzw. definitiv geschädigt.

Warum ist das wichtig?

Wird mit schwacher Batterie gestartet, selbst wenn der Startvorgang funktioniert, bricht die Spannung stark ein. Das führt zu jede Menge Unterspannungsfehlern in den Steuergeräten, unter anderem im Airbagsteuergerät, und dann bleibt die Lampe an. Ärgerlich und vermeidbar.
Aber noch wichtiger: Die Batterie ist nicht nur Energiespender für den Anlasser, sondern fungiert im Bordnetz auch als wichtiger Puffer gegen Spannungsspitzen, insbesondere bei laufendem Motor (daher darf ein Auto auch nie ohne Batterie betrieben werden, selbst wenn ja die Lichtmaschine Strom liefert). Eine geschwächte oder tote Batterie kann diese Funktion nicht mehr vernünftig erfüllen, im Gegenteil, sie wird selbst zu einem starken Verbraucher und fördert Spannungsspitzen sogar noch.

Deswegen:

1) Als ALLERERSTES, nachdem man das Schätzchen aufgedeckt/die Tore geöffnet hat, wird die Batteriespannung in Ruhe gemessen. VOR irgendeinem Startversuch oder Zündung ein! Dazu sollte jeder ein 10€ Multimeter vom Aldi, Lidl oder Louis etc. besitzen. Alternativ gibt es praktische Handylader für den Zigarettenanzünder mit integrierter Spannungsanzeige (Beispiel)

2) Spannung über 12,5V? --> Kann losgehen, deine Batterie ist fit!

3) Spannung zwischen 12 und 12,5V? --> Belastungstest! Zündung ein
Bleibt die Spannung über 12V, ist die Batterie noch fit genug und es kann losgehen. Ausgiebige Runde zum regenerieren fahren, oder an die nächste Steckdose und Ladegerät dran.

4) Spannung zwischen 11 und 12V? --> Die Batterie ist leer! NICHT starten! Erst laden. Ist vor Ort kein Strom vorhanden, so gibt es inzwischen auch "drahtlose Lader", quasi eine fette Powerbank fürs Auto. Wenn es nicht anders geht, Batterie ausbauen und zu Hause voll laden.

5) Spannung deutlich unter 11V? --> Auf keinen Fall einen Startversuch wagen. Laden probieren (siehe 4), ggfs. Batterie ersetzen. Das Schlimmste sind diese Versuche, bei denen es nur noch rhythmisch im Tacho klackert und flackert. Spannungszusammenbrüche und -spitzen vom Feinsten!

6) Spannung kaum messbar/0 --> die Batterie ist hin. Neue kaufen.



Noch etwas zur Starthilfe: Früher (also ganz früher) war das kein Thema. Wenig Steuergeräte, wenn überhaupt, einfache robuste Elektronik, Kabel irgendwo dran und gib ihm!
Ich rate dringend von Starthilfe ab. Aus meiner Sicht ist das ein Verfahren für den absoluten Notfall, wenn man in der Pampa mit leerer Batterie liegen geblieben ist und die schwangere Frau zur Entbindung muss :wink:
In der Regel geht es beim Saisonstart ja nicht um Leib und Leben.... also Starthilfe lieber weglassen. Verfahren wie oben, ggfs. Batterie laden. Warum? Wieder die Spannungsspitzen. Ihr habt sicher schon mal gesehen wie das funkt beim verbinden, je platter die Batterie, desto funk.... Funken --> Böse!

"Jaaaaaa.... aber die Kfz-Elektronik ist doch dafür ausgelegt!!! Schutzschaltungen usw.... steht alles in den Spezikationen!"

Richtig.... war sie mal.... als sie neu war. Inzwischen sind die Elektrolytkondensatoren 25-30 Jahre alt und haben längst nicht mehr ihre volle Kapazität und damit Schutzwirkung. Die Steuergeräte werden anfälliger. Airbagsteuergeräte sterben immer häufiger, Tachos und Bordcomputer melden EEP-Fehler (Speicherverlust) usw... --> vermeidbar!

Warum sollte ich die Batterie über den Winter NICHT abklemmen?

Für besagte Elektrolytkondensatoren ist es besser, wenn sie immer gleichmäßig geladen bleiben. Lange Zeiten ohne Strom können die Lebensdauer/Kapazität zusätzlich verkleinern. Ist das Bordnetz in Ordnung und keine Stromparasiten (typischerweise Zubehör) angeschlossen (Ruhestrom <40mA), dann hält eine fitte Batterie mehrere Monate Standzeit durch, insbesondere in der frostsicheren Garage.

Beim Öl gehen viele kein Risiko ein. Das Schätzchen bekommt jedes Jahr neues Öl, auch wenn das alte die Ölwanne kaum je verlassen hat. Bei super niedrigen Laufleistungen ziemlich sinnlos, aber man will ja was Gutes tun. Leider kümmert sich kaum jemand um die Elektrik. Da wird fröhlich ab- und wieder angeklemmt, Starthilfe genutzt, mit defekter Batterie gestartet, ist ja noch nie was passiert :?

Was sollte ich über den Winter tun?

Idealerweise die eingebaute und angeschlossene Batterie alle 4 Wochen mal über Nacht ans Ladegerät hängen. Ob an den Stützpunkten vorne oder an der Batterie direkt geladen wird, ist völlig egal, je nachdem wo man besser dran kommt. An der Batterie direkt zu laden wurde in der Vergangenheit immer nicht empfohlen. Wegen Wasserstoffbildung beim Laden und eventuellem Funken beim an-/abklemmen. Dank moderner elektronischer Ladegeräte muss die Batterie aber zum laden weder abgeklemmt werden, noch bildet sich nennenswert Wasserstoff, weil mit kleinen Strömen geladen wird (z.B. das weitverbreitete Ctek MXs 5.0 mit max. 5A). Da funkt auch nichts, da das Gerät erst nach einem Check mit der Ladung beginnt, und wenn man immer zuerst den Netzstecker zieht, passiert auch beim Abklemmen nichts. Dem Strom ist es völlig egal, ob er direkt an den Polen in die Batterie fließt, oder von vorne über die breite Stromautobahn der dicken Hauptkabel den Weg in die Batterie findet. Der Spannungsverlust ist durch die großen Kabelquerschnitte minimal.

Von Erhaltungsladegeräten halte ich persönlich nichts, aus zwei Gründen: Zum einen ist nicht erwiesen, dass sie die Batterie schonen. Im Gegenteil, es gibt genug Berichte, nach denen die Batterie trotz (oder wegen?) Erhaltungsladegeräten im Frühjahr platt waren. Zum anderen hängt da ein elektronisches Gerät dann ständig meistens unbeaufsichtigt an einer recht leistungsfähigen Chemiebombe (Batterie). Trotz Schutzschaltungen kann so ein Ding auch mal versagen und wer weiß was passieren. Über längere Zeit daher bei mir ein No-Go, auch in der entfernten Garage, besonders aber in der heimischen, wenn gleich das ganze Hab und Gut mit abbrennt :? Nicht umsonst steht in vielen Gebrauchsanweisungen, dass der Ladevorgang immer unter Beobachtung stattfinden sollte.

Wenn am Überwinterungsplatz absolut kein Strom vorhanden sein sollte, oder sehr tiefe Temperaturen (Frost) drohen, dann kann es tatsächlich sinnvoller sein, die Batterie über den Winter auszubauen, wenn man nicht jedes Frühjahr eine neue kaufen möchte. Oder man hat eine "Überwinterungsbatterie", die man dann zum Starten gegen eine frisch geladene tauscht. In allen anderen Fällen: Dran lassen, zwischenladen.

Allen im wortwörtlichen Sinn einen guten Start, wenn's soweit ist, und eine besonders schöne Saison! :sunny:
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon Inversator » Gestern 09:37

Danke Steffen.
Startversuch trotz schlapper Batterie hatte ich vor zwei Jahren schon durchexerziert. Hat zum Glück nur das Autoradio gehimmelt.
Frage zum Ladegerät: Besteht ein Risiko, wenn ich das CTEK nach dem Ladevorgang, mit gezogenem Netzstecker am Stützpunkt angeschlossen lasse? Saugt es ohne Netzstrom an der Batterie?
Danke
Holger
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon hirsch » Gestern 09:55

Hallo Steffen, danke für diesen Tipp wieder was gelernt
Mit freundlichem Grüßen, Gerd :2thumpsup:
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon OldsCool » Gestern 10:01

Laut Ctek ist der Rückstrom sehr gering. Trotzdem würde ich es immer trennen. Ich überlege schon eine Weile wie ich mir eine "Steckdose" lege, sodass ich nicht mehr unter die Haube oder in den Kofferraum muss...
Bei meinen Dailys (beide mit AHK), die ich im Winter auch alle 4 Wochen nachlade, nutze ich praktischerweise die Anhängersteckdose (hat Dauerplus und damit direkten Kontakt zur Batterie) mit einem selbstgebauten Adapter von Ctek Stecker auf 13-pol. Anhängerstecker :mrgreen:

Gruß Steffen
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon Zetti28 » Gestern 10:20

Klasse Beitrag :thumpsup: :thumpsup: . Eine Ergänzung:

Keine Steckdose am Stellplatz? Powerstation!

Aus den beschriebenen Gründen ist das Abnehmen Batterie nicht sinnvoll, daher bietet sich eine Powerstation an (mobile Steckdose).
Diese gibt es mit geringer Kapazität bereits ab 150 €.

Vorteile:
  • Einfacher zu tragen: leichter als die Autobatterie
  • Mehrfache Verwendung: fürs Auto (zB Saugen bei Dreck, Föhn fürs Leder, Erhaltung beim Auslesen/Codieren, Strahler fürs Arbeiten, Löten, Flex, Schleifen, …) oder sonstiges (zB Camping)
  • Amortisiert sich recht schnell, je mehr Autos man betreut

Zu beachten:
  • Die Größe, wenn man die Powerstation in den Kofferraum statt Fußraum stellen möchte.
  • Die Kapazität in Wh (= Volt * Ampere * 1h) kann man sich mit grober Faustformel so verrechnen: Wh / 13V - 25% Leistungsverlust (BSP: 518Wh -> 30 A in die Batterie).
  • Gewicht steigt mit der Kapzität, aber selbst eine 1500 Wh wiegt immer noch weniger als eine 75 Ah Batterie.
  • Der maximale Output (Watt) der Powerstation limitiert die anschließbaren Geräte, das heißt z.B. nicht jeder Staubsauger passt an jeder Powerstation. Das bei der Auswahl im Auge behalten.
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon John57 » Gestern 12:12

Nur mal so, bei 40mA Entladestrom hätte eine 60Ah Batterien keine 60 Tage.
40mA sind ca.1A am Tag und ca 30 im Monat.
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon OldsCool » Gestern 15:21

Das ist richtig. Deswegen idealerweise alle 4 Wochen nachladen. 40mA ist aber schon viel. Wenn wirklich alles in Ordnung ist, liegen wir eher bei der Hälfte. Experimentell für Sie ermittelt, meine Damen und Herren :mrgreen: (Schon 10 Jahre her...). Meine Batterie hat (musste) 3 Jahre lang immer 4 Monate am Stück durchhalten und bis auf im 3. Jahr hat sie immernoch gestartet. Sollte man so nicht machen, hab ich ja oben erklärt :P Danach war sie dann auch schnell platt, aber auch schon einige Jahre alt und es war in diesem letzten Winter sehr kalt (freistehende Halle außerhalb vom Dorf). Resultat waren besagte Airbagfehler. Also alles eigene Erfahrungen...

Gruß Steffen
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon eisi » Gestern 16:02

Servus!

Ende November '25 den Prinzregent im Carportplatz (im Freien und mit Batterie, dessen Alter mir nicht bekannt ist) abgestellt.
Gestern, minus 8°C, mit FFB problemlos aufgesperrt und dann an ein CTEK XS 25000 angeschlossen.
Nach einigen Sekunden Batteriecheck durch CTEK zeigt mir dieses an, dass die Batterie noch gut 75% geladen ist.
Das CTEK über Nacht dran gelassen, hat es bei 100 % mit dem "Recond"-Programm gestartet.
Ich denke, dass es wie immer ist:
Bei dem einen klappt es ohne dem Ladegerät, bei dem andern wird's schwierig oder es klappt nicht.

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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon Peters_Z » Gestern 19:06

Hallo Steffen,
danke für den Batteriekurs. Ich schalte zusätzlich noch einmal im Monat die Zündung noch für ein paar Sekunden ein, so dass alle Steuergeräte mit Strohm versorgt werden.

LG Peter
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Re: Richtig Starten zu Saisonbeginn - Ein Batteriegrundkurs

Beitragvon OldsCool » Gestern 22:45

Spricht wenig dafür, aber auch nichts substanzielles dagegen... solange du den Motor nicht "mal kurz laufen" oder noch schlimmer, im Stand "warmlaufen" lässt :shock:
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