Unrunder Leerlauf und Startprobleme M44 - Lösung

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Unrunder Leerlauf und Startprobleme M44 - Lösung

Beitragvon Barrakuda » Gestern 16:40

Hallo zusammen,

nachdem ich wieder eine Frage über den unrunden Lauf des M44B19-Motors in der Z3-Facebook-Gruppe gelesen habe, wollte ich hier meine Erfahrungen und Informationen zusammentragen, um eine Diskussionsgrundlage sowie ein Nachschlagewerk für Mitglieder mit demselben Problem zu schaffen.

Ich fahre meinen Z3 mit M44-Motor seit über fünf Jahren und mittlerweile schon 65.000 km. Viele Arbeiten am Motor wurden als Vorsorge erledigt oder waren ohnehin fällig. Ich denke, dass ich eine fast objektive Aussage treffen kann: Die M44-Motoren laufen nicht so harmonisch, wie man es von einem BMW-Motor erwarten könnte.

Ich habe zwei Probleme identifiziert, die auch in unserem, aber auch in anderen Foren (E30, E36 …) berichtet wurden:

1. Sehr unrunder Lauf nach dem Kaltstart bei tiefen Temperaturen oder nachdem das Auto mehr als eine Woche nicht bewegt wurde (Zitate: „Läuft wie auf drei Zylindern“, „Hört sich an wie ein Sack voller Nüsse“).

2. Läuft unrund im Leerlauf, als wären scharfe Nockenwellen verbaut. Als würde in einem der Zylinder ein Verbrennungsaussetzer oder eine Fehlzündung passieren. Bei höheren Umdrehungen spürt man das nicht.

Am Motor wurde Folgendes gemacht/ersetzt:
Neue Zündspulen, neue Zündkabel, neue richtige NGK-Zündkerzen, neue KGE, Ventildeckel abgedichtet, neuer originaler Nockenwellensensor, neues LMM mit neuem Luftfilter, die Einspritzventile wurden professionell gereinigt/gewartet. Einspritzventilsitz an der Ansaugbrücke ist auch dicht. DISA wurde überholt, funktioniert und klappert nicht. Neue Lambdasonde und der Kat. Benzindruck und Kompression auf allen Zylindern kontrolliert (ist noch da und fast gleiche Werte auf allen vier Zylindern). Falschluft im System wurde gefunden und erfolgreich eliminiert. Es ist jetzt dicht! Neue Motor- und Getriebelager. Ölwechsel jedes Jahr oder nach 7.500 km (Liqui Moly 5W-40). Nach 5.000 km wird immer ein Einspritzdüsenreiniger für Direkteinspritzer von Liqui Moly (wegen PEA) eingekippt. Es wird Premium-Superkraftstoff getankt.

Ich glaube, das meiste, was ich für den Motor mache/gemacht habe, habe ich aufgezählt.

Es gab definitiv positive subjektive Verbesserungen in der Geschmeidigkeit des Motors, aber die oben erwähnten Probleme bleiben. Auch ab und zu gibt es einen Fehler im Fehlerspeicher "Aussetzer Zyl. 3" oder "Aussetzer Zyl. 2"

Einige in den Foren behaupten, dass der M44 Rennmotor-Gene habe und vom legendären S14-Motor abgeleitet sei. So begründen sie den unrunden Leerlauf. Das sind nur feuchte Teenager-Träume, meiner Meinung nach. Der Motor macht schon riesig Spaß und lebt oberhalb 3.000 Umdrehungen auf, aber auch nicht mehr.

Auch die Erklärungsversuche, dass es einer der früheren 16V-Motoren sei und diese einfach rau laufen, weil Motoringenieure noch nicht viel Erfahrung damit hatten: Ich bin den M102 16V von Mercedes gefahren, der einen schlechten Ruf in der Szene besitzt, und der Leerlauf war viel harmonischer als beim M44. Also grenzt diese Erklärung an Spekulation, meiner Meinung nach.

Genug der Einleitung. Was ich im Internet und im TIS gefunden habe, würde ich jetzt unten präsentieren. Die Ursache (oder Ursachen) kann/können die oben genannten Probleme verursachen. Die Arbeiten am Motor wurden durchgeführt, und es wurde in einem Fall von Verbesserungen berichtet. Das andere Vorgehen wurde nur im TIS beschrieben.

1. Die Ursache des schlechten Kaltstartverhaltens sollte/könnte ein „klemmender“ Hydrostößel sein. Der Motor kann keine Kompression aufbauen, und es findet kein korrekter Gasaustausch statt, sodass es zu diesem unangenehmen Rütteln kommt.
„liegt das Problem im Ringspalt innerhalb des Hydrostößels: Ist der zu knapp bzw. das Öl zu dick, zieht der Stößel bei Entlastung durch bei ablaufendem Nocken Öl ein, das er bei Belastung dann nicht mehr los wird. Der Stößel pumpt sich sozusagen (innerhalb weniger Nockenwellenumdrehungen) soweit auf, dass deine Ventile ein Stück weit offen bleiben.“ (Quelle)

Als Abhilfe oder Lösung des Problems der „hängenden“ Hydros wurde in einigen Forumsdiskussionen (Quelle) geraten, dünnere Öle (0W30/0W40) zu verwenden.

Andere tauschen die Hydrostößel gegen neue (Quelle 1/Quelle 2). Interessant sind im zweiten Beitrag die Bilder der ausgebauten Hydrostößel, die Ablagerungen und die Schlussfolgerung.

2. Unrunder Leerlauf („Sportnockenwelle“) wird durch „unterschiedliche Restgasanteile in den einzelnen Zylindern bei Leerlaufdrehzahl“ verursacht. BMW hat dann die Steuerzeit der Einlassnockenwelle um ein paar Grad geändert, auf 116° Kurbelwellenwinkel. Hier ist ein Auszug aus dem TIS.

Beanstandung: Leerlaufschütteln bei betriebswarmen Motor. Daraus resultieren Vibrationen, die vor allem im Sitz bei stehendem Fahrzeug spürbar sind.
Ursache: Unterschiedliche Restgasanteile in den einzelnen Zylindern bei Leerlaufdrehzahl. Dieser Effekt tritt in unregelmäßigen Abständen und unterschiedlicher Stärke auf und verliert sich in der Regel während der Einlaufphase des Motors.
Betroffen Fahrzeuge: E36/M44
Abhilfe: Nach der Einlaufphase des Motors(ca.5000km)ist im Kundenbeanstandungsfall die Steuerzeit an der Einlassnockenwelle um 6°(=12° Kurbelwelle)nach spät auf 116° Kurbelwinkel zu verändern.
Vorgehensweise: Steuerzeiten der Nockenwelle entsprechend einstellen.
entgegen der Angabe in der Reparaturanleitung ist die Einlassnockenwelle mittels Sonderwerkzeug 119110(anstelle Spezialwerkzeug 113241 Einlaßseite)auf 116° Kurbelwinkel zu stellen.
Das Sonderwerkzeug kann bei Fa.Cartool unter der Bestellnummer 119110/111 über den üblichen Bezugsweg bestellt werden.
Die Veränderung der Steuerzeiten führt zu keiner wahrnehmbaren Drehmoment -bzw. Leistungsbuße.

Ist das vielleicht auch der Grund, warum meine Einspritzventile so verdreckt waren? Durch ein zu frühes Öffnen der Einlassventile beim vierten Takt („Ausstoßen“) gelangen Abgase in den Ansaugtrakt und lagern Ruß an den Einspritzdüsen, Einlassventilen und in der Ansaugbrücke ab.


Ich hoffe, ich habe die Informationen mehr oder weniger klar zusammengetragen. Was haltet ihr von den Maßnahmen? Würdet ihr sie an eurem M44-Motor durchführen?

Hat das vielleicht schon jemand gemacht?

Viele Grüße
Alex

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